Mittwoch, 24. Juli 2024
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Chile öffnet die Ehe

Große Mehrheit in beiden Häusern des Parlaments

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Nach jahrelangem Ringen wird auch Chile die Ehe für schwule und lesbische Paare öffnen. Ein entsprechendes Gesetz hat das Parlament am Dienstag mit großer Mehrheit verabschiedet. Damit können gleichgeschlechtliche Paare nun auch Kinder adoptieren oder gemeinsam Eltern werden.

Große Mehrheit nach einer vier Jahre dauernden Diskussion

Bei der Abstimmung im Abgeordnetenhaus stimmten 82 Abgeordnete für die Öffnung der Ehe, 20 dagegen und zwei enthielten sich. Auch im Senat gab es eine breite Mehrheit für den Gesetzesentwurf: 21 Senator:innen stimmten dafür, acht dagegen, drei enthielten sich.

Über die Öffnung der Ehe wurde in Chile mehr als vier Jahre diskutiert. Bereits 2017 hatte die damalige sozialistische Präsidentin Michele Bachelet einen entsprechenden Gesetzesentwurf eingebracht. „Wir können Vorurteile nicht stärker gelten lassen als die Liebe“, erklärte sie damals. 

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Es folgten breite Debatten zwischen den politischen Lagern. Im Juni hatte der amtierende konservative Staatschef Sebastián Piñera dann plötzlich angekündigt, die Verabschiedung des Gesetzes zur Öffnung der Ehe zu beschleunigen.

Erst 1999 wurde Homosexualität in Chile entkriminalisiert

Damit wird Chile das achte Land Lateinamerikas, in dem gleichgeschlechtliche Paare heiraten können: Derzeit ist das in Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, Uruguay und Teilen von Mexiko möglich. Das Gesetz wird 90 Tage nach der Unterschrift durch den Präsidenten in Kraft treten, das ist Anfang 2022.

Chile gilt sogar für lateinamerikanische Verhältnisse als besonders konservativ: Homosexualität wurde in dem südamerikanischen Land erst 1999 entkriminalisiert. Seit 2015 können Lesben und Schwule in Chile eine Eingetragene Partnerschaft eingehen. Diese hatte viele Gemeinsamkeiten mit der Zivilehe, Adoption und gemeinsame Elternschaft blieben aber (heterosexuellen) Ehepaaren vorbehalten.

Der ultrarechte Präsidentschaftskandidat ist ein Gegner der Ehe-Öffnung

Die größte LGBTI-Organisation Chiles, die Bewegung für Integration und homosexuelle Befreiung (Movilh) rief zu einer Siegesfeier im Zentrum der Hauptstadt Santiago de Chile auf. Sie nannte die Entscheidung des Parlaments einen „historischen und entscheidenden Schritt zur Förderung und Festigung der Menschenrechte gleichgeschlechtlicher Paare und gleichgeschlechtlicher Familien“.

Einer der größten Gegner der Ehe-Öffnung in Chile ist der ultrarechte Präsidentschaftskandidat José Antonio Kast.Der Sohn deutscher Einwanderer und Vater von neun Kindern tritt bei der Stichwahl am 19. Dezember gegen den linken ehemaligen Studentenführer Gabriel Boric an. Auch die Hälfte des Senats und das komplette Abgeordnetenhaus werden neu gewählt.